Gießener-Kreidekreise

Gießener Kreidekreise


– ein Konzept für sichere Kultur in unsicheren Zeiten:

Die Pandemie hat allen Berufsständen Opfer abverlangt und die Pläne von Menschen aller Altersklassen und Professionen zunichte gemacht. Doch „zuerst zu“ und „zuletzt auf“ - diese Ehrenposition gebührt den Künstler:innen und Veranstalter:innen, den Bühnentechniker:innen und Promotor:innen, den Wirt:innen und den Servicekräften. Kein wie gut auch immer gemachtes Unterstützungsprogramm ist in der Lage, neben der rein materiellen Existenz der Betroffenen auch den eigentlich produktiven Kern der Kultur zu erhalten, jenes feine Gewebe zwischen den Kreativen, den Produzierenden und den Reflektierenden. Nur die Wiederaufnahme des kulturellen Betriebs ist dazu in der Lage.

Analysiert man nun die eigentlichen Gründe für die scheinbare Unmöglichkeit der Aufrecht-Erhaltung dieses Betriebs, kann man zu dem Schluss kommen, dass es neben einer deutlich wahrnehmbaren Wertung als „insignifikant“ durch Teile der Politik vor allem an der materiellen Struktur der Kultur-Produktion selbst liegt. Irreguläre Zeiten erfordern aber kreative Antworten, auch wenn das bedeutet, dass die Dinge zeitweilig scheinbar Kopf stehen müssen um laufen zu können. So wie die Universität
Abaelard in den Wald folgte, als er von dort verwiesen wurde, so kann auch die Kultur aus ihren festen Orten in die Sicherheit und Weite der Natur gehen, um ihrer Bestimmung gerecht werden zu können. Und auch wenn Beschränkungen die Profitabilität von Veranstaltungen verringern, so kann die Antwort nicht sein, dass Kultur nicht stattfindet, eventuell muss sie sich in dieser Hinsicht nur neu sortieren.

Eckstein des Kreidekreise-Konzepts ist die Erkenntnis, dass der Aufenthalt im Freien – bei Beachtung gewisser Vorsichtsmaßnahmen an Engstellen – in hohem Maße als sicher gelten kann.
Diese Erkenntnis hat sich gut gehalten und immer wieder bestätigt, auch bei den neu aufgekommenen Varianten des Virus. Wenn dem aber so ist, dann fehlt nur noch der politische Wille und ein bisschen Mut, diese Erkenntnis auch umzusetzen. Zum Glück war beides in Gießen zu finden. Angestoßen von der ehrenamtlichen Arbeit des Plenums der Nachttanzdemo, durch eine Petition bekräftigt und von der Stadtgesellschaft freundlich aufgenommen, ist man zu Ergebnissen gekommen.


Im öffentlichen Interesse und unter Anerkennung der Wichtigkeit der kulturellen Bedürfnisse jedes einzelnen, haben das Kulturamt der Universitätsstadt Gießen und der AStA der JLU ein Stück eingehegter Natur für die Kultur freigestellt, dass allen Bedürfnissen gerecht wird: Künstler:innen können sicher sein, dass sie ihre Kunst praktizieren ohne zu schaden, Wirt:innen und Veranstalter:innen gewinnen den Raum, den es braucht, den sie aber sonst nicht hätten und die Kulturarbeiter:innen immerhin einen schmalen Lohn unter versicherten Bedingungen.